Live-Setup mit Gitarrenbox statt linearem Monitor - Entzerrung/Verzerrung?

papasoeren

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Hallo,

ich hatte Markus "cheffe" per PM um einen Rat gebeten. Er hat mich dazu angeregt, das hier mal öffentlich zu machen.

Folgendes Gedankenspiel:

Ich möchte mein Axe FX über meine ENGL 20x20 Endstufe und meine 2x12 Laney Gitarrenbox spielen. Den Signalweg splitte ich nach den üblichen Vor-dem-Amp-Effekten auf und gehe dann parallel weiter. In die erste Signalkette kommt ein Amp ohne Power-Amp-Sim bzw. mit minimalen SAG-Einstellungen. In die zweite kommt der gleiche Amp mit exakt den gleichen Einstellungen, hier aber mit Power-Amp-Sim. Danach kommen Modulations- und Hall- und Delayeffekte mit exakt den selben Einstellungen in beiden Signalwegen. In der ersten Signalkette fehlt die Cab-Sim und sie endet im FX-Send, also Out2. Die zweite Signalkette endet mit der Cab-Sim und geht an Out1 in den Mixer.
Soweit, so gut. Was aber wenn ich ein Preset mit einem offenen Fender-Combo spielen möchte? Am Mixer kommt es richtig an. Die Laney-Box wird aber sicher völlig anders klingen.
Da war jetzt meine Überlegung: Ich mache eine IR von der Laney und invertiere die. Dann mache ich einen Mix aus der invertierten IR und der im Signalweg zwei verwendeten Fender-Combo-IR. Diese entstandene Differenz-IR lade ich dann im Signalweg eins doch in eine Cab-Sim und gehe dann in den FX-Send. Theoretisch sollte die Box dann wie ein offener Fender-Combo klingen. Haha.
Ja, ich weiß, dass das sehr blauäugig von mir ist und sicher nicht so einfach funktioniert. Aber ausprobieren möchte ich das mal.
Leider komme ich erst Ende des Jahres dazu. Im Augenblick haben wir Band-Pause, weil mein Keyboarder gerade am Hausbauen ist. Und hier zu Hause kann ich nicht wirklich laut machen. Da gehen mir mangels Gelegenheit natürlich viiieeele Gedanken durch den Kopf. :denk: Also derzeit alles nur theoretisch.
Was haltet ihr von der Idee oder habt ihr sowas vielleicht schon mal probiert?

Signalweg.JPG

Ich weiß, für große Effektspielereien ist da die Rechenpower begrenzt, ich spiele aber wirklich mit wenig Schnickschnack. Für andere mag so ein Signalfluss völlig ungeeignet sein, mir reicht es aus.

Für eure Anregungen bin ich dankbar!

Grüße.

Sören
 

Andy

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Kann angenähert funktionieren. Identisch wird das sicherlich nicht. Muss man einfach probieren.

Man sollte EQs und ToneBlocks etc nicht überbewerten. Wenn man alles mit einem EQ lösen könnte, dann könnte man sich auch für 2,5 € bei Conrad eine billige Hifi-Box kaufen und mit einem EQ eine Canton oder B&W für 5000 € draus machen. Was so natürlich nicht funktioniert. Genauso wenig wird es funktionieren aus einer Laney Box eine andere Box zu machen. Man kann sicherlich den Frequenzgang verbiegen aber selbst wenn der Graphikanalyzer keinen Unterschied mehr erkennen lässt, heisst das noch lange nicht, dass es identisch klingt und sich identisch verhält.

Ich hab meine Palmer DI Box, die den Sound auch hörbar beeinflusst, versucht mittels ToneBlock auszugleichen. Es hat nicht funktioniert.
 

kozmik

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Sehe ich auch so. Du kannst dich annähern, aber ich denke ein Signalweg wird immer unbefriedigend klingen.
Bin dennoch auf weitere Berichte gespannt, wobei ich nicht genau weiß, warum du so einen Aufwand betreiben willst.
FRFR gehen und dein Problem löst sich in Luft auf. Den Sound deiner ENGL/Laney-Combo kannst du problemlos auch so hinkriegen :)
 

papasoeren

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Ich denke auch, dass das nicht zu einem befriedigenden Ergebnis führen wird. Die Überlegung mit der invertierten Cab-Sim finde ich aber interessant genug für mich, das mal auszuprobieren. Zumal ich mir vor kurzen Cab-Lab zugelegt habe und da halt im Augenblick am Basteln bin. Da kam mir einfach der Gedanke.
Warum kein FRFR? Kurz zur Erklärung: Ich hab früher den JMP-1 in ein Boss GX-700 mit der 4-Kabel-Methode eingeschleift (der Effekt-Loop ist da ja frei konfigurierbar) und dann in die ENGL und den Laney gespielt. Die Endstufe mit der Box klingt wirklich, wirklich toll (wenn der Boost eingeschaltet ist), besser als die Marshall El 20/20, die ich auch habe. Weil ich aber die Brumm-Probleme nie wirklich in den Griff bekommen habe, musste irgendwann dann das Axe FX her um den JMP-1 und das Effektgerät zu ersetzen. Das allein ist der Grund. Warum soll ich dann alles umschmeißen? Ich habe mal in einem Club solch eine FRFR-Monitor-Lösung ausprobieren können. Das haut mich nicht wirklich um. Mir fehlt da was, ich kanns nicht sagen, es fühlt sich anders an und ist einfach nicht mein Ding.
 

axefx

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So, jetzt mal mein Senf dazu und als Einleitung mal kurz das Setup von Papasoeren:



Was wir haben ist die klassiche Problematik zwei Abhören, die unterschiedlich sind in Einklang zu bringen:

1) Axe-Fx [PREAMP+POWER Amp Sim] + [Cab IR] = DI an FOH
2) Axe-Fx [PREAMP only Sim] + [Engl 20/20 Tube Amp] + [Laney cabinet] = Monitor an Gitarrenspieler Ohr

Wenn ich papasoeren richtig verstehe, ist das Ziel, beide Signalwege im Ergebnis maximal gleich klingen zu lassen.

Erklärtes Ziel ist, die Ungleichheiten im Frequenzgang anzugleichen. Deshalb scheint Papasoeren das doppelte Signalweg-layout zu wählen, um die gesetzte Engl 20/20 Tube-Amp Endstufe nicht einer Endstufendopplung durch die POWER Amp Sim des Axe-Fx auszusetzen.

Vorschlag 1:
- die Nichtlinearität der Engl, die hauptsächlich der Impedanzkurve des angeschlossenen Cabinets geschuldet ist ausgleichen: AMP DI Antwort invertieren und so die Engl FLAT zu bekommen. Das würde die komplette Signaldopplung ersparen - vor Abzweigung an FX Loop einfach die invertierte impulse response als cab-IR setzen. Damit fällt die Engl als "verzerrendes" Element aus der Gleichung.

- Für die Laney Box setze ich voraus, dass eine cab-IR für die Laney geschossen wurde, am besten per MIC+DI Methode, damit auch kein Engl Einfluss durch inkludierung bei MIC only IR capturing für die digitalisierte Laney als cab-IR im Signalweg an DI/FOH gegeben ist.

Ergo: Invertierte Engl Amp DI IR = Engel = Flat = fällt aus Gleichung raus.
Ergo: MIC+DI IR der Laney Box = reale Laney Box auf der Bühne (die ansonsten ja ebenso mikrofoniert werden müsste für FOH.)

Damit stimmt die Gleichung Axe-Fx DI = Axe-Fx+Engl+Laney+Mikrofon


Vorschlag 2):
- Die Amp-Sim im Axe-Fx wird MIT Nutzung der Power-Amp Sim SO getweakt, dass es mit Engl und Laney Box im Raum gut klingt.
- Es wird eine MIC only IR der Laney mit der Engl angefertigt und als cab-IR für den FOH weg genutzt.

Damit würde die Gleich AUCH stimmen:

Axe-Fx PREAMP+POWER Amp Sim+ Cab-IR (incl. Engl/Laney/Mic) = Axe-Fx Axe-Fx PREAMP+POWER Amp Sim + Engl/Laney/Mic

Also FOH = Monitor

Vorschlag 3):
Engl+Laney Box soll klingen wie Axe-Fx Fender Amp Sim + Fender Combo IR

Dazu müsste nun zuerst bestimmt werden, an welchem (zu mikrofonierenden) Punkt VOR der Laney die Referenz gelten soll, die mit dem DI Signal verglichen wird!

Und genau hier scheitert das ganze zum ersten. Eine Gitarrenbox strahlt Klang nach allen seiten ab, klingt von jeder Abhörposition anders. zum anpassen wird aber die Frequenzanpassung benötigt, die nur mit Hilfe eines (neutralen Messmikrofons!) Mikrofons an einem bestimmten Punkt vorgenommen werden kann.

Aus einer geschlossenen Laney Box kann ich kein Hörerlebnis eines offenen Combos machen, selbst wenn ich per Dual FFT (TMA) die Freqenzkurve anpasse.

Das zweite Problem: Die Laney ist in ihrer Wiedergabe im Frequenzgang beschränkt. Alle Frequenzen, die eine etwaige fender Combo IR fordert, die die Laney gar nicht anbieten KANN, führen zu extremen Energieanforderungen dieser Frequenzen (IR hätte bei diesen Frequenzen extreme Auschläge).
Man kann das versuchen, aber das Ergebnis wird suboptimal werden. Versprochen! Mehr als ein "Achtungserfolg" erwarte ich da nicht.

Trotzdem. Wie vorgehen?!:

1) Wir includieren in der DUAL FFT Messung (per TMA Block) alle Frequenabweichungen zwischen Combo IR und wiedergabesystem: ENGL+LANEY+Mic+Mic. Position. Als Mikrofon brauchen wir ein Messmikro (Behringer EMC8000...)

TMA Local = ENGL+LANEY+Mic+Mic. Position
TMA Reference = Cab-Block mit fender Combo IR

Als DUAL FFT Messignal nutzen wir den Synth-Block Voice 3 20Hz-20kHz Sine, Frequency an LFO = Sine Sweep. Alternativ: Pink Noise, ebenfalls ausschliesslich aus Voice 3 (die einzige, die 20-20kHz kann). Im TAM block: Average time: PEAK hold bei Sine-sweep, bei Pink Noise 5 sekunden oder so... Dual FFT auf beiden Seiten gleichzeitig starten mit NAV UP taste und gleichzeitig beenden mit ENTER = Match.

Im Ergebnis hätten wir eine Korrektur IR, die aus der Laney zum Fender Combo IR Sound zwingt (zumindest im Frequenzgang mit oben beschriebener Problematik und an dem Punkt, an dem per Mikrofon gemessen wurde!)


2) Wir versuchen Engl + Laney Gitarrenbox an Mic.-Messpunkt einen linearen FRFR Frequenzgang aufzuzwingen, zumindest im Bereich, den zu nutzende IRs abverlangen...

TMA Local: ENGL+LANEY+Mic+Mic. Position
TMA Reference: Sine Sweep

Im Ergebnis erhalten wir eine Korrektur IR, die in einen Cab-Block hinter der DI Signalabzweigung aber vor dem FX Loop platziert wird. Diese IR korrigiert die Laney auf FRFR. Soweit die Theorie. Denn der TMA Block wird versuchen auch bei 30Hz die lany Flat zu bekommen, was den Headroom der Laney extrem überstrapazieren wird. Allerdings wird sie ja auch mit dem verschmälerten frequenzgang der auch für den DI/FOH Signalweg genutzen Cab-IR befeuert, der eben solche Frequenzen von vornherei wieder wegfiltert .... dennoch... wirklich gut wird das wahrscheinlich nicht...

Also: Als Versuchsaufbau und zum Lernen sicherlich spannend. Die Praxistauglichkeit des Ergebnisses zweifel ich aber an. Aber ich lasse mich - wie immer - gerne positiv überraschen...

Ich habe in der Vergangenheit ähnliche Dinge gemacht, allerdings mit einem richtigen FRFR Speaker ... und auch da waren die Ergebnisse nicht schlecht, aber weit weg von perfekt, vor allem wegen den Punkten, die ich weiter oben versucht habe kritisch anzureissen ...
 
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papasoeren

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Wow, Markus! Das muss ich mir morgen mal in Ruhe durchlesen und durchdenken. Du deckst mir hier Perspektiven auf, an die ich nie gedacht hätte. :applause:
Man - ich merke schon, ich stehe noch ganz am Anfang ... !

Gut's Nächt'le erstmal und Danke für deinen Gehirnschmalz.
 

Andy

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Als Versuch find ich so was immer spannend. Bericht mal, wie weit du damit gekommen bist.
 

papasoeren

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So, ich hab mir mal die Vorschläge von Markus durchdacht. Gestern war's schon zu spät. In meiner Gegend war heute kein Feiertag.

Vorschlag 1:
- die Nichtlinearität der Engl, die hauptsächlich der Impedanzkurve des angeschlossenen Cabinets geschuldet ist ausgleichen: AMP DI Antwort invertieren und so die Engl FLAT zu bekommen. Das würde die komplette Signaldopplung ersparen - vor Abzweigung an FX Loop einfach die invertierte impulse response als cab-IR setzen. Damit fällt die Engl als "verzerrendes" Element aus der Gleichung.
Wenn ich das richtig verstehe, invertiere ich die echte Impedanzkurve des ENGL, die ja ähnlich in der Speaker Page (hier aber von der gemodelten Endstufe) des AMP Blocks zu sehen ist. Ich mache aus meiner ENGL quasi eine lineare Röhren-"Matrix-Endstufe". Klingt plausibel. Da ist dann aber zu prüfen, reagieren Box und ENGL noch so dynamisch miteinander wie sie das sonst tun würden und wie ich es gewohnt bin. Hat vielleicht sogar den Vorteil, dass ich dann Drummers Ohren schonen kann, der sich eh immer beschwert. *grins*

Vorschlag 2):
- Die Amp-Sim im Axe-Fx wird MIT Nutzung der Power-Amp Sim SO getweakt, dass es mit Engl und Laney Box im Raum gut klingt.
- Es wird eine MIC only IR der Laney mit der Engl angefertigt und als cab-IR für den FOH weg genutzt.
Bei der Variante müsste ich mit den Parametern wie XFRMR MATCH, Supply Sag und Negative Feedback spielen, denke ich. Hauptsächlich wohl das negative Feedback erhöhen? Eventuell muss man SAG sogar ganz rausdrehen also Preamp pur. Dabei befürchte ich, dass der Charakter der simulierten Endstufe so schwachbrüstig wird, dass es über die FOH nicht mehr so richtig klingt.
Die Sache könnte viel einfacher sein, wenn es die Möglichkeit geben würde, ein Signal nach dem Preamp und vor der Endstufe abzugreifen. Kann doch nicht so schwer sein, so etwas zu programmieren, oder?


Zu Vorschlag 3 sage ich erstmal nichts, da ich noch nie mit dem TMA-Block gearbeitet habe. Das Thema muss ich mir erst noch reinziehen, kommt noch. Ich habe gestern Abend z.B. vor dem RoomEQWizard gesessen um mir mal ein erstes Bild zu machen und hab nur mit dem Kopf geschüttelt. Dass Englisch quasi meine zweite Muttersprache ist (ich meine das Gegenteil), macht die Sache auch nicht gerade einfacher. :denk:
Markus, ich verstehe zwar 'ne Menge von dem was du gestern geschrieben hast, aber noch nicht vollständig. Wie gesagt, ich muss mir das erst mal erarbeiten. Was ich aber auf Anhieb verstehe und den Gedanken hatte ich ja auch, ich kann die Physik einer geschlossenen Box nicht wirklich durch Invertieren der FFT-Kurve in eine offene Box verwandeln. Das ist mir vorher auch schon klar gewesen.
Eigentlich komme ich ja aus der Marshall-Ecke. Hab nie 'n Fender-Amp besessen. Jetzt mit den Axe FX aber habe ich die Möglichkeit, mir auch die Sounds dieser Amps zu erschließen. Und was da aus meinen Monitoren (KRK Rokit 5 G3) tönt, klingt hammermäßig geil. Übrigens auch dank Pacos's Hilfe. Seine Vibrolux und 65Bassman-Presets, die er mal gepostet hatte und die einfach zeigen, wie die Amps klingen können, sind eine hervorragende Basis und machen Lust damit zu spielen.
Jedenfalls hab ich mich gefragt, was aber, wenn du sie auch auf der Bühne spielen willst? Daher die etwas abstruse Idee mit der Differenz-Cab-IR. Es muss ja in dem Fall nicht exakt so klingen, wenn es den Charakter zumindest nachbildet und nicht wirklich scheiße klingt. Mal sehen.

Hihi, Vorschlag 4: Ich stelle mir einfach eine offene Fender-Box auf meine Laney und stöpsele die Kabel dann um, so wie gebraucht. ;)

Ich muss das alles mal in Ruhe ausprobieren. Unser Proberaum ist leider erst Ende des Jahres wieder nutzbar. Eventuell miete ich mich mal den nächsten Tagen in den Proberaum von einer befreundeten Band ein. Das juckt mich im Augenblick zu sehr. Ich bin mir sicher, dass ich dann auch zu brauchbaren Ergebnissen kommen werde. Ich kann dann hier ja mal schreiben, welche Variante für mich dann letztendlich die beste ist.

Grüße an alle Wahnsinnigen. :thumpsup:

Sören
 

axefx

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Wenn ich das richtig verstehe, invertiere ich die echte Impedanzkurve des ENGL, die ja ähnlich in der Speaker Page (hier aber von der gemodelten Endstufe) des AMP Blocks zu sehen ist. Ich mache aus meiner ENGL quasi eine lineare Röhren-"Matrix-Endstufe". Klingt plausibel.
Korrekt, solange beachtet ist, dass diese "Impedanz-Kurven-Korrektur" ausschliesslich für die Last gilt, die sie verursacht: Die Laney Box.

Da ist dann aber zu prüfen, reagieren Box und ENGL noch so dynamisch miteinander wie sie das sonst tun würden und wie ich es gewohnt bin. Hat vielleicht sogar den Vorteil, dass ich dann Drummers Ohren schonen kann, der sich eh immer beschwert. *grins*
Jegliche dynamischen Eigenschaften der Engl bleibt unberührt, ein Filter / EQ / IR ist ein lineares Ereignis. Wir korrigieren nur die relative Lautheit pro Frequenz, die die Impedanzkurve abbildet.


Bei der Variante müsste ich mit den Parametern wie XFRMR MATCH, Supply Sag und Negative Feedback spielen, denke ich. Hauptsächlich wohl das negative Feedback erhöhen? Eventuell muss man SAG sogar ganz rausdrehen also Preamp pur. Dabei befürchte ich, dass der Charakter der simulierten Endstufe so schwachbrüstig wird, dass es über die FOH nicht mehr so richtig klingt.
Die Sache könnte viel einfacher sein, wenn es die Möglichkeit geben würde, ein Signal nach dem Preamp und vor der Endstufe abzugreifen. Kann doch nicht so schwer sein, so etwas zu programmieren, oder?
Die Variante PREAMP UND POWER AMP Sim an DI/FOH und ENGL/Monitor auszugeben, bei der HIER NUN die frequency response der ENGL mit in den DI Weg gesetzt wird (da mit der Engl die IR der Laney gecaptured würde, also die Frequenzbeeinflussung der Engl mit in den DI/FO Signalweg gelegt würde) ist glaube ich im Ergebnis vergleichbarer, als in deinem vorschlag eine (völlig andere) virtuelle Endstufensimulation in einem, eine anders agierende reale Endstufe im anderen Signalweg zu führen.

Ich würde mir da gar nicht soviel Kopf machen: Tweake einfach den Amp-Block, bis es durch Engl und Laney gut klingt und ersetze diese beiden externen Komponenten mit einer IR dieses Gespanns im DI/FOH Signalweg - näher/vergleichbarer kommst Du nicht ran in der Konstellation. Eventuell die Impedanzkurve der Speaker page in diesem Szenarion "flatten" -> Levels runter für low-res und high-res... und ja, nach gutdünken Negative Feedback nachregulien, bis es klingt ... wenn das überhaupt not tut ... "Wissenschaftlich korrekt" wirst Du es mit dem setup sowieso nicht hinbekommen, welches ja nutzt, weil es "gut klingt". Also mach einfach, dass es gut klingt, und gut iss... ansonsten ist das das falsche Setup...

(...)

Hihi, Vorschlag 4: Ich stelle mir einfach eine offene Fender-Box auf meine Laney und stöpsele die Kabel dann um, so wie gebraucht. ;)
Dieses "offener Fender Combo im Raum" Erlebnis hängt meiner Meinung nach gerade bei open back Gitarrenlautsprechern extrem von dem ddruch noch verstärkten 360Grad abstrahlverhalten des Cabinets im Raum ab. wenn Du das willst und suchst, dann würde ich das genau so machen! Kein Scheiss! Als ich das Axe+Matrix GT1000 2014 in Dax an die Lautsprecher von Soulshinemules Silverface Super Reverb gehängt hatte, hat`s mir die Sprache verschlagen... dieser KlangEINDRUCK (!!!!) ist so authentisch einfach nicht anders hinzubekommen, IMO. Die Box macht den Sound. Mein alter Spruch ....


Ich hoffe und würde am liebsten dazu ermuntern: Experimentiere!!! Mach das alles mal! Und schildere uns Deine Eindrücke und Ergebnisse!

Wenn Du allerdings Frequenzkurven von A auf B anpassen willst, vor allem im realen Raum, kommst Du um ein Messmikro, den TMA Block (und/oder) RoomEQWizard aber nicht mehr drumherum ... oder IK Multimedia ARC2 ...

Viel Spaß beim forschen :) Sehr zeitaufwendig, ich habe da ja auch schon einige zeit in den letzten Jahren mit verbracht, aber man lernt unglaublich viel und versteht Soundeinflüsse und wo sie herkommen viel besser einschätzen ... schon cool! :)
 

papasoeren

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... ich werde berichten. Danke schon mal für die Tipps und Hinweise, Markus. So kann ich zielgerichtet an die Sache rangehen statt planloses Rumgeschraube mit vorprogrammiertem Frustpotential. Wegen der Impedanz-Kurve für den ENGL werde ich dich sicher noch mal anschreiben müssen.
 

papasoeren

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So, ich hab hier noch eine Baustelle offen, die ich hier endlich mal fertig stellen will.
Sorry, folgender Beitrag wird lang.

Ich hatte in den letzten Wochen endlich Gelegenheit, mein Setup mal so richtig LAUT auszuprobieren. Bisher ging’s nur in Zimmerlautstärke. Dass ich damit nicht wirklich experimentieren konnte ist klar.

Nach den verschiedenen Möglichkeiten, die Markus damals hier so ausführlich geschildert hat und nach einem halbstündigen Skype-Gespräch mit ihm (danke nochmal Cheffe) war mir klar, dass eigentlich nur Vorschlag 1 oder 2 für mich in Frage kommen würden. Die Sache mit der „Fender-Box“ hatte ich nach dem Gespräch schon ad acta gelegt. Ich hab’s dann jetzt mit CabLab doch mal probiert aber das wird nix. Das ergibt dermaßen verdrehte, mulmige Frequenzgänge. Vielleicht geht’s ja mit RoomEQWizzard, aber definitiv nicht mit CabLab.

So, mein primäres Problem war ja, wie kriege ich Axe FX, meine Röhren-Endstufen (ENGL 2x20 oder Marshall 2x20), Laney 2x12 Gitarren-Box und OUT 1 > FOH auf eine Linie. Was mir (uns) da so in den Sinn kam, ist ja weiter oben zu lesen.
Die Lösung, die ich dann gefunden habe, ist viel simpler als alles oben beschriebene.

Ich hab mir die PDF für die IR-Cature-Methode „MIC+DI“ angesehen. Markus hatte mir dafür auch eine bestimmte DI-Box empfohlen. Erfreulicherweise hat meine Marshall EL84 20/20 zwei Line-Outs. Das Manual sagt: „Attenuated version of speaker signal giving whole tone of power stage. For connection to subsequent effects processor and larger power Amp.“ Geil, so konnte ich mit der Marshall auch ohne DI-Box schon mal testen.

So, und dann hat es Klick gemacht. Ich brauche gar nichts zu capturen, zu invertieren oder zu verbiegen. Ich brauche nur die Line-Outs meines Marshalls (an dem die Laney-Box hängt) mit den Inputs 2 zu verbinden und VOR den Cab-Block den FX-Block zu setzen, statt ihn abzuzweigen. Die Erkenntnis war für mich der Hammer!
So einen Signalweg nutze ich dafür:

Signalweg mit Endstufe.jpg

Das heißt, ich kann den Amp-Block so tweaken, dass er mit realer Endstufe und realer Box in the Room (on Stage) so klingt, wie ich es will und brauche. Das Line-Out-Signal der Endstufe schicke ich wieder in Input 2, wo es dann durch den Cab-Block an Output 1 (FOH) geht. Im Cab-Block ist dann eine MIC only IR von meiner Laney Box geladen. Das ist dann 1:1 das selbe Signal bis zu den Boxen (real und virtuell). Ich habe also in meinem FOH-Signal (im Axe FX) meine Röhren-Endstufe mit drin, mit all der Dynamik und Wechselwirkung, die sie mit der realen Box bei unterschiedlicher Last auch hat. Das ist genau das, was ich wollte! Und es klingt. Genau das Spielgefühl, was ich gesucht hab. Ich steh vor der Gitarren-Box und die Hosenbeine flattern, die Gitarre reagiert und interagiert mit der Box, so wie ich es kenne, inklusive kontrolliertem Feedback und gleichzeitig geht das an die Mixe draußen. Geil!

Woran schraube ich? Supply Sag lasse ich in der Regel erst mal so wie es ist. Die Röhrenendstufen (ENGL, Marshall) sind zwar nicht linear aber vom Charakter her doch nicht sooo eigen, dass sie das Power Amp Modeling des angewählten Amps ersetzen würden. Im Speaker Menü setze ich die Low Resonance meist mindestens 3 Einheiten runter, Hi Resonance nehme ich nicht ganz so viel runter, manchmal gar nicht, je nach Amp-Sim. XFormer Low Freq schiebe ich so auf etwa 60 bis 80 Hz rauf. Negative Feedback erhöhe ich meist um etwa eine Einheit. Das war’s im Groben auch schon. Ich bin begeistert.

War dann noch das Problem, was mache ich, wenn ich mit den erstellten Live-Presets recorden will, aber nicht über die Endstufe spielen kann (wegen zu laut für die Nachbarn)? Dafür habe ich mir Tone Matches der Endstufe gemacht. Vier Stück – Endstufenleistung 33, 50, 66 und 100 Prozent, Presence hatte ich auf 12 Uhr, hätte ich auf aber 2 bis 3 Uhr stellen sollen, das dann beim nächsten Shooting. Die lade ich, wenn ich ohne wirkliche Endstufe spiele. Die FXLoop ist dann auch auf Bypass, sonst kommt ja kein Signal durch. Im Live-Modus ist dann FXLoop wieder an und T-Match wieder aus.
Schaut euch mal an, wie sich die Kurve im T-Match-Block ändert, je höher das Volume ist, mit der sie geschossen wurde. Ich finde das interessant, wie sie immer flacher wird und der Höhenanteil sich verschiebt. Ich hab das mal hier dokumentiert:

TM Block 02.jpgTM Block 03.jpgTM Block 04.jpg


Falls jemand Lust hat, das mal für sich nachzubauen, hier sind die T-Match-Blocks und meine Laney-Box-IR.

Anhang anzeigen TMA Block und Cab.zip

Das SM-57 hatte ich etwa 2/3 off axis. Beim nächsten Shooting werde ich es mehr Richtung Mitte schieben. Die T-Matches werde ich dann auch mit etwas mehr Presence an der Endstufe machen. Da werde ich dann auch die ENGL mit einbinden, klingt eh geiler als die Marshall. Nur dazu muss ich mir erst mal zwei DI-Boxen (oder eine Stereo-Box) mit Link-Outs besorgen. Der ENGL hat ja nicht solche Line-Outs wie der Marshall.

Aber ich bin jetzt schon mal so richtig „https://www.youtube.com/watch?v=dwMNdvSsZBo“, weil‘s funktioniert!
 

Andy

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Vielen Dank für den ausführlichen Bericht. An so etwas in der Art hatte ich auch schon mal gedacht.

Ggf. einen Schritt weiter, d.h. ich spiele ja aktuell noch/wieder mit realem Amp, könnte mir damit dabei die Mikrophoniererei meiner Box ersparen, wenn ich aus dem Line.Out (auch abgeriffen vom Speaker Out des Amps ins Axe zurückführe und dort eine Boxensim. Anschließend noch ein bisserl PEQen, vielleicht, und dann in die PA bzw. Mixer. Muss mal überlegen, ob mir dann bei 4CM die IN und Out Buchsen ausgehen :). Wobei ich dann ggf. auf 4CM auch verzichten könnte. Ich muss keine Effekte hören, die sich im Einschleifweg des Amps befinden, das reicht wenn die über die PA kommen.

Freut mich, dass du jetzt am Ziel angekommen bist.

Gruß

Andy
 

OSon

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Eine Sache interessiert mich noch. Du gehst aus den line Outs der Endstufe wieder ins Axe FX zurück um den Endstufenklang auch mit im DI Signal zu haben oder wie? Denn wenn du mit den FX Send block nimmst und nichts an die in2 anschließt geht das Signal ja auch weiter an die nächsten Blöcke in der Kette. Zumindest mache ich es so... Bzw. so ähnlich... Ich kann meine cab sim zentral deaktivieren. Ist etwas aufwendiger. :) ich kann damit dann meine preset an FRFR oder Git Cabs nutzen.
 

papasoeren

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Freut mich, dass du jetzt am Ziel angekommen bist.
Danke Andy


Eine Sache interessiert mich noch. Du gehst aus den line Outs der Endstufe wieder ins Axe FX zurück um den Endstufenklang auch mit im DI Signal zu haben oder wie? Denn wenn du mit den FX Send block nimmst und nichts an die in2 anschließt geht das Signal ja auch weiter an die nächsten Blöcke in der Kette.
Genau, ich habe dann den Endstufenklang im DI-Signal. Wenn der FXLoop-Block aktiv ist und wenn die Endstufe nicht angeschlossen ist, kommt am Cab-Block und somit an Output 1 auch nichts an.

edited: Bei dir ist der FXLoop-Block sicher parallel gesetzt, ich habe ihn ja seriell im Signal.
 
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