Plek und Bespielbarkeit

Axeon

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#1
Ich wollte meine Gitarre ein Plek gönnen.
Ich habe nur eine Gitarre, also "Relativ" geringe Finanzielle aufwand.
Zusätzlich habe den Sattel und PU-Schalter austauschen lassen
und die Brücke niedriger gestellt.
Hier habe ich es machen lassen:http://www.guitar-repairs.ch/
Es ist etwa 40min. Autofahrt von mir entfernt.

Warum PLEK?
Ich habe eine leichte Artritis. Bei hohen Saitenlage habe ich nach eine gewisse Zeit
relativ starke schmerzen bekommen. Vor allem meine linke Zeigefinger.
Der Hals habe ich so gerade gestellt, dass bei der Griff am erster Bund, die Saiten haben gerade noch nicht scheppert.
Ich weiss, es ist gegen jegliche Halseinstell-Regel, aber ich wollte schmerzfrei und entspannt spielen.
Die Kompromiss ist mehr oder weniger gelungen, aber bei 7./8. Bund hat es gewaltig gescheppert
und die Gitarre hat auch keine volle Klangenfaltung gehabt.
Als letzte Idee, kam mir nur noch PLEK in Sinn.

PLEK ist nicht gleich PLEK.
Man kann auf verschieden Saitenlage Plekken.
Ich habe die niedrigste Stufe, 1 gewählt.
Der Computerbemessung hat es auch bestetigt das die 7./8. Bund höher war, als die anderen.
Nacher war auch die Ideallinie (Halswölbung) gezeichnet, auf meine Einstellungstufe.
Zusätzlich auch noch die richtige Griffbrettwölbung. Bei meine Zerberus von Werk her war 14" angegeben.
Die Computer hat am 1. Bund 13.5", am 14. Bund 12.9 " gemessen.

Jetzt ist es fertig und für mich hat es enorm viel gebracht.
Ich bräuchte eben das letzte Quentchen.
Habe jetzt 10-46-er Saiten bei relativ langen 648mm Mensur.
So habe ich genug Saitenspannung, das es nicht so fest "ausschlägt", bei vertretbaren Kraftaufwand beim Bending.
Mit dem dünnen 0.88-er Dunlop-Plekrum kann ich auch feiner, präzieser spielen.

Nach meiner meinung braucht man nicht unbedingt ein gePLEKte Gitarre.
Eine gute Gitarrenbauer kann die Bünde sehr genau abrichten.
Bei Spezialfällen (wie ich) kann man aber noch etwas mehr rausholen.
Er hat mir auch gesagt, dass er noch nie eine Gitarre in seine Werkstatt gehabt, mit einen so niedrigen Saitenlage, wie meine:p

Gruss Axeon
 

Solyth

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#2
Oute mich hier als Plek Fan!

These + Erfahrung (bis jetzt): Eine computergesteuerte Lasereinheit ist in der Präzision jedem Gitarrenbauer überlegen.

Wie Axeon schon sagte, Plek ist nicht gleich Plek. Meine Erfahrungen gründen sich im Wesentlichen auf Gibson Custom. Wenn "vernünftig" geplekt, ist das die reinste Offenbarung in Intonation über die Lagen und Spielgefühl. Allerdings habe ich auch schon viele in der Hand gehabt, die zu weit runtergeplekt waren. Folge: Saitenziehen wurde auf einer Paula (!) zur Qual. Nach meiner Erfahrung hat G das aber seit 2009 gut im Griff und weckt meistens meine. Begeisterung.

Wichtig zu wissen: Ein Wechsel der Saitenstärke, manchmal sogar Marke und "Wetterfühligkeit" des Halses verkehren den positiven Effekt zum Störfaktor! Es gilt: je genauer (oder extremer) geplekt, desto mehr wirken sich Veränderungen (meist negativ) aus. Meine Präferenz liegt bei "fleischigen" 59er Hälsen und 58er Baseballkeulen, also kaum Probleme.

Zum nachträglichen Pleken: Plek nimmt immer Substanz von den Bünden weg! Ist eine Gitarre von der Bundierung her schon flach, wird pleken sie vielleicht zum Fretless Wonder oder aber -Monster machen. Und eine mittelmäßige Gitarre wird vom pleken auch nicht zum Trauminstrument.

Noch eines: einige meiner ungeplekten Gitarren sind so gut, dass ich ihnen diesen "Eingriff" niemals zumuten würde.

Man sollte also relativ sicher sein, was man will, dann allerdings kann pleken ein echter "Augenöffner" sein.
 

Axeon

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#3
Ich habe es auch genau überlegt, bei Wem ich es machen lasse.
Gibson zB. schickt alle ihre Akkoustik-Gitarren in die Schweiz zu dieser Gitarrenbauer zum Reparature.
Jeder Art von Gitarren-Wehwehchen, Neubundierung, Umbau,
Elektronik-Arbeiten bis Brüchen, von E- und A-Gitarren, Banjo, Mandoline kriegt er hin.
So ein Fachmann ist für mich einen Riesenhilfe.

Über den Saitenstärke haben wir uns vor dem Plek auch geeinigt.
Wenn Jemand es so Extrem haben will wie ich, da kommt es auf jeder Kleinigkeit an.
Für den meisten genügt eine gewissenhafte Abrichten aber vollkommen.
Bei ihm kostet der PLEK: Neusilber/280.-,Edelstahl/320.- Sfr
Es mag Teuer sein, aber für mich hat es gelohnt.
Ich spiele deswegen nicht besser, aber viel entspanter.
Jetzt bin ich wunschlos glücklich mit meine Gitarre.
 

Andy

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#4
Ich hol den alten Thread mal wieder hervor, weil ich zwei Gibson habe, die angeblich auch gePLEKt sein sollen. Ab Werk. Es ist auch wirklich so, dass die Bünde extrem eben sind aber dennoch scheppern die beiden Gitarren mehr als nahezu alle anderen, die nicht geplekt wurden. Zumindest soweit ich das weiß. Ich richte mittlerweile meine Bünde selber ab und hab auch schon neu bundiert und bekomm das mit der Hand sicherlich nicht so exakt hin, wie bei dem PLEK Verfahren. Dennoch scheppern die weniger als die beiden Gibson. Zumindest mittlerweile, am Anfang ging da auch mal was schief beim Abrichten ;)

Da ich mir div. Lineale usw. beschafft hab, kann ich auch nachmessen und ja, die Gibson sind perfekt abgerichtet, also was die Höhen anbelangt. Mir ist bewusst, dass das mit dem Scheppern auch mit der Gestaltung der Bunde nach dem Abrichten im Zusammenhang steht. D.h. mach ich die Bünde komplett rund oder kapp ich nur die Kanten, so dass sie oben leicht plan sind und wie breit lass ich die plane Fläche oben. Wie gesagt es geht hier nicht um Dead-Notes sondern um Scheppern in allen Lagen bei doch noch relativ hoher Saitenlage.

Wie ist das bei euren gePLEKTen?
 

Hubi72

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#6
Hatte ich auch schon, geplekte Gitarren - bringt nur solange was, wie der Hals sich nicht verzieht, verdreht. Dann mußte dann trotzdem der Gitarrenbauer nochmal drüber , was in München beim Staufer 150 € Standard kostet. Der macht das aber wirklich auch gut, auch bei Neubundierung astrein.
Neu war der geplekte Hals schon toll.
 

Andy

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#7
Bridge hab ich bei beiden schon getauscht. Ne daran liegt es nicht. Wie gesagt es ist nicht ganz so dramatisch wie es sich anhört. Ich wunder mich nur ein wenig. Aber schon mal danke für die Infos.
 

mrgodin

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#8
Ich hol den alten Thread mal wieder hervor, weil ich zwei Gibson habe, die angeblich auch gePLEKt sein sollen. Ab Werk. Es ist auch wirklich so, dass die Bünde extrem eben sind aber dennoch scheppern die beiden Gitarren mehr als nahezu alle anderen, die nicht geplekt wurden. Zumindest soweit ich das weiß. Ich richte mittlerweile meine Bünde selber ab und hab auch schon neu bundiert und bekomm das mit der Hand sicherlich nicht so exakt hin, wie bei dem PLEK Verfahren. Dennoch scheppern die weniger als die beiden Gibson. Zumindest mittlerweile, am Anfang ging da auch mal was schief beim Abrichten ;)

Da ich mir div. Lineale usw. beschafft hab, kann ich auch nachmessen und ja, die Gibson sind perfekt abgerichtet, also was die Höhen anbelangt. Mir ist bewusst, dass das mit dem Scheppern auch mit der Gestaltung der Bunde nach dem Abrichten im Zusammenhang steht. D.h. mach ich die Bünde komplett rund oder kapp ich nur die Kanten, so dass sie oben leicht plan sind und wie breit lass ich die plane Fläche oben. Wie gesagt es geht hier nicht um Dead-Notes sondern um Scheppern in allen Lagen bei doch noch relativ hoher Saitenlage.

Wie ist das bei euren gePLEKTen?
Heute Mittag fielen mir ein paar kurze Gedanken dazu ein; hatte aber den Tag über keine Zeit zu schreiben.
Vielleicht hilft der eine oder andere Ansatz bei der Ursachenfindung.

1. Halskrümmung
Alle meine Gitarren, Fender, Gibson und der Rest haben am 8. Bund(stab) exakt 0.4 mm Abstand zwischen Bundstab und
Unterseite Saite.

Messverfahren:
Capo auf ersten Bund; minimaler Andruck!
G-Saite hinter letztem Bundstab leicht andrücken.
Am 8. Bundstab sollte vom Lineal (Warwick Rock N Ruler oder Stahllineal mit 0.5 mm Teilung) der 1mm-Strich oberhalb der Saite sichtbar sein.
Das entspricht bei einer G-Saite (10er Satz / 0.43 mm) ca. 0.4 mm Abstand zum Bundstab.

Wenn die beiden Gibson bei Dir eine stärkere (konkave) Krümmung haben (1.5, 2, 3 oder mehr mm), steigen die Bundstäbe ab dem 9. Bund
ggf. zu stark an, jeweils in Relation zu dem vorhergehenden Bund, an dem die Saite niedergedrückt wird.
Dann kann es zBsp. schnarren.
Umgekehrt, wenn der Hals komplett gerade (0 mm Abstand zum 8. Bund) oder konvex gekrümmt ist.
Dann gilt das gleiche (Risiko des Schnarrens) nun für die ersten Bünde bis ca. zum 8. Bund.
Es kommt immer darauf an, wie der Hals bei der Produktion gekrümmt ist, wenn man eine Saitenlage ohne Schnarren einstellen möchte.
Ich glaube 0.5 - 1 mm am 8. sind bei der Produktion die Regel.

Ich habe aber über die Jahre auch schon Hälse erlebt, die (leider) eine Minimalstkrümmung, also fast gerade,
mit deutlichem Schnarren quittiert haben.
Die Instrumente besitze ich aber nicht mehr ;-)

2. Saitenstärke
Zitat: "Wie gesagt es geht hier nicht um Dead-Notes sondern um Scheppern in allen Lagen bei doch noch relativ hoher Saitenlage."


Saitenlagen sind ja bei jedem Gitarristen anders definiert ;-)

Alle meine Gitarren haben
E = 1.6 mm (1.5 mm-Strich der Messlehre sichtbar)
e' = 1.5 mm (1.5 mm-Strich gerade nicht mehr sichtbar)
am 12. Bund (Abstand Saitenunterseite zu Bundstab-Oberseite) bei 010 - 046 Saiten.

Je dünner die Saite, desto größer die Amplitude (Schwingungsauslenkung nach oben und unten), welche die Saite vollzieht.
D.h., dass man auch mit einer Saitenlage von 2 - 2.5 mm bei 009er Saiten durchaus hörbares Schnarren (oder Scheppern, Klirren o.ä)
erzeugen kann.
Schwingungsauslenkung nach oben und unten bedeutet hier, von der Halsoberfläche nach oben (vom Hals weg) und zurück.

Habe zuvor jahrelang 011er-Sätze gespielt.
Da konnte ich die Saitenlage etwas niedriger einstellen.

3. Runde Bundstäbe, abgeflachte (abgerichtete) Bundstäbe
Bundstäbe werden immer verrundet.
Ein abrichten der Bünde und ein beibehalten der Abflachung hat Nachteile.

a) Bei einem verrundeten Bundstab ist der Auflagepunkt der Saite exakt über der Nut, in die der Bundstab im Griffbrett eingelassen ist.
Dies gewährleistet, das die Teilung der Saite, wenn man sie an einem Bund herunterdrückt, der korekten Intonation entspricht.
Will sagen, die Länge der niedergedrückten Saite bis zur Bridge im Verhältnis zur Gesamtauflagelänge Sattel - Bridge
entspricht dem richtigen Längenverhältnis (und somit der gewünschten Schwingungsfrequenz).
Flacht man die Bünde ab, verändert sich dieser Auflagepunkt in Richtung Bridge.
Hierdurch verändert sich das Teilungsverhältnis der Teillängen (bei gedrückter Saite) zur Gesamtlänge.
Die Intonation wird hierdurch schlechter.
Man kann diesen Umstand auch nicht durch verstellen der Saitenreiter beliebig justieren, da sonst die leer schwingende
Saite gleichzeitig immer länger und somit zu lang wird und mit der falschen Frequenz schwingt (zu tief).

b) Ein abgeflachter Bundstab hat einen weiteren Nachteil.
Wenn wir eine Saite "anreissen", schwingt diese nicht nur parallel zum Gitarrenkorpus, also quasi in der Richtung,
die wir mit dem Plektrum zBsp. beim Spielen beschreiben.
Sie schwingt auch, wie oben schon erwähnt, von oben nach unten und zurück.
Also vom Korpus weg und wieder auf ihn zu.
Dies hat u.a. zur Folge, dass eine an einem beliebigen Bund niedergedrückte Saite sich auf dem Bundstab auf und ab bewegt!
Sie tanzt, für uns unsichtbar, auf dem Bundstab ("Die mit dem Bundstab tanzt", Kevin der Costner).
Je breiter nun die Auflagefläche des Bundstabs, desto mehr entstehen Störgeräusche bzw. ungewollte Störungen der Saitenschwingung.
Je dünner die Saite, desto stärker "hüpft" die Saite auf dem (zu flachen) Bundstab.

4. Gibson - Fender
Mensurverhältnisse
Fender Telecaster o. Stratocaster 647,70 mm
Gibson Les Paul 628,65 mm

Da bei gleichbleibender Spannung der Saite die Schwingungsfrequenz zunimmt, wenn man die Mensur verkürzt,
muss man dem durch entspannen der Saite entgegen wirken.
Daher sind die Gibson vom Spielgefühl her betrachtet immer etwas "weicher", als zBsp. Fender Gitarren (wenn sie eine längere Mensur haben).
Denn zur Kompensation der höheren Frequenz (nach unten) durch eine Saitenverkürzung, muss man die Spannung der Saite verringern.
Dies erhöht geringfügig das Risiko für Saitenschnarren bei Gibson LP im Vergleich zu Fender Strats oder Teles.

So, nun genug der Ergüsse (geistige).
Viel Spasss bei der Suche ;-)
Ich hoffe, es sind keine Rechtschraipfehler mehr drinne.
Ausserdem gehe ich davon aus, dass Dir das eine oder andere auch schon bekannt ist.
Dann habe ich's umsonst oder für die Kollegen geschrieben.
 

Andy

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#9
Hi, Mike. Danke für die ausführliche Erklärung. Aber in der Tat ist mir das alles bekannt. Unter Punkt 3 mit der Oberfläche der Bünde befürchte ich die Ursache. So wie du das schreibst kenn ich das grundsätzlich auch. Das mit der Saitenschwingung mal ausgenommen, das hängt auch noch davon ab, wie man die Saite anschlägt. Aber gerade dazu (Oberfläche der Bünde) hab ich auch schon unterschiedliche Ansichten gehört, in letzter Zeit. Muss ich mal suchen, ob das wieder finde.
 

funkstation777

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#10
Heute Mittag fielen mir ein paar kurze Gedanken dazu ein; hatte aber den Tag über keine Zeit zu schreiben.
Vielleicht hilft der eine oder andere Ansatz bei der Ursachenfindung.

1. Halskrümmung
Alle meine Gitarren, Fender, Gibson und der Rest haben am 8. Bund(stab) exakt 0.4 mm Abstand zwischen Bundstab und
Unterseite Saite.

Messverfahren:
Capo auf ersten Bund; minimaler Andruck!
G-Saite hinter letztem Bundstab leicht andrücken.
Am 8. Bundstab sollte vom Lineal (Warwick Rock N Ruler oder Stahllineal mit 0.5 mm Teilung) der 1mm-Strich oberhalb der Saite sichtbar sein.
Das entspricht bei einer G-Saite (10er Satz / 0.43 mm) ca. 0.4 mm Abstand zum Bundstab.

Wenn die beiden Gibson bei Dir eine stärkere (konkave) Krümmung haben (1.5, 2, 3 oder mehr mm), steigen die Bundstäbe ab dem 9. Bund
ggf. zu stark an, jeweils in Relation zu dem vorhergehenden Bund, an dem die Saite niedergedrückt wird.
Dann kann es zBsp. schnarren.
Umgekehrt, wenn der Hals komplett gerade (0 mm Abstand zum 8. Bund) oder konvex gekrümmt ist.
Dann gilt das gleiche (Risiko des Schnarrens) nun für die ersten Bünde bis ca. zum 8. Bund.
Es kommt immer darauf an, wie der Hals bei der Produktion gekrümmt ist, wenn man eine Saitenlage ohne Schnarren einstellen möchte.
Ich glaube 0.5 - 1 mm am 8. sind bei der Produktion die Regel.

Ich habe aber über die Jahre auch schon Hälse erlebt, die (leider) eine Minimalstkrümmung, also fast gerade,
mit deutlichem Schnarren quittiert haben.
Die Instrumente besitze ich aber nicht mehr ;-)

2. Saitenstärke
Zitat: "Wie gesagt es geht hier nicht um Dead-Notes sondern um Scheppern in allen Lagen bei doch noch relativ hoher Saitenlage."


Saitenlagen sind ja bei jedem Gitarristen anders definiert ;-)

Alle meine Gitarren haben
E = 1.6 mm (1.5 mm-Strich der Messlehre sichtbar)
e' = 1.5 mm (1.5 mm-Strich gerade nicht mehr sichtbar)
am 12. Bund (Abstand Saitenunterseite zu Bundstab-Oberseite) bei 010 - 046 Saiten.

Je dünner die Saite, desto größer die Amplitude (Schwingungsauslenkung nach oben und unten), welche die Saite vollzieht.
D.h., dass man auch mit einer Saitenlage von 2 - 2.5 mm bei 009er Saiten durchaus hörbares Schnarren (oder Scheppern, Klirren o.ä)
erzeugen kann.
Schwingungsauslenkung nach oben und unten bedeutet hier, von der Halsoberfläche nach oben (vom Hals weg) und zurück.

Habe zuvor jahrelang 011er-Sätze gespielt.
Da konnte ich die Saitenlage etwas niedriger einstellen.

3. Runde Bundstäbe, abgeflachte (abgerichtete) Bundstäbe
Bundstäbe werden immer verrundet.
Ein abrichten der Bünde und ein beibehalten der Abflachung hat Nachteile.

a) Bei einem verrundeten Bundstab ist der Auflagepunkt der Saite exakt über der Nut, in die der Bundstab im Griffbrett eingelassen ist.
Dies gewährleistet, das die Teilung der Saite, wenn man sie an einem Bund herunterdrückt, der korekten Intonation entspricht.
Will sagen, die Länge der niedergedrückten Saite bis zur Bridge im Verhältnis zur Gesamtauflagelänge Sattel - Bridge
entspricht dem richtigen Längenverhältnis (und somit der gewünschten Schwingungsfrequenz).
Flacht man die Bünde ab, verändert sich dieser Auflagepunkt in Richtung Bridge.
Hierdurch verändert sich das Teilungsverhältnis der Teillängen (bei gedrückter Saite) zur Gesamtlänge.
Die Intonation wird hierdurch schlechter.
Man kann diesen Umstand auch nicht durch verstellen der Saitenreiter beliebig justieren, da sonst die leer schwingende
Saite gleichzeitig immer länger und somit zu lang wird und mit der falschen Frequenz schwingt (zu tief).

b) Ein abgeflachter Bundstab hat einen weiteren Nachteil.
Wenn wir eine Saite "anreissen", schwingt diese nicht nur parallel zum Gitarrenkorpus, also quasi in der Richtung,
die wir mit dem Plektrum zBsp. beim Spielen beschreiben.
Sie schwingt auch, wie oben schon erwähnt, von oben nach unten und zurück.
Also vom Korpus weg und wieder auf ihn zu.
Dies hat u.a. zur Folge, dass eine an einem beliebigen Bund niedergedrückte Saite sich auf dem Bundstab auf und ab bewegt!
Sie tanzt, für uns unsichtbar, auf dem Bundstab ("Die mit dem Bundstab tanzt", Kevin der Costner).
Je breiter nun die Auflagefläche des Bundstabs, desto mehr entstehen Störgeräusche bzw. ungewollte Störungen der Saitenschwingung.
Je dünner die Saite, desto stärker "hüpft" die Saite auf dem (zu flachen) Bundstab.

4. Gibson - Fender
Mensurverhältnisse
Fender Telecaster o. Stratocaster 647,70 mm
Gibson Les Paul 628,65 mm

Da bei gleichbleibender Spannung der Saite die Schwingungsfrequenz zunimmt, wenn man die Mensur verkürzt,
muss man dem durch entspannen der Saite entgegen wirken.
Daher sind die Gibson vom Spielgefühl her betrachtet immer etwas "weicher", als zBsp. Fender Gitarren (wenn sie eine längere Mensur haben).
Denn zur Kompensation der höheren Frequenz (nach unten) durch eine Saitenverkürzung, muss man die Spannung der Saite verringern.
Dies erhöht geringfügig das Risiko für Saitenschnarren bei Gibson LP im Vergleich zu Fender Strats oder Teles.

So, nun genug der Ergüsse (geistige).
Viel Spasss bei der Suche ;-)
Ich hoffe, es sind keine Rechtschraipfehler mehr drinne.
Ausserdem gehe ich davon aus, dass Dir das eine oder andere auch schon bekannt ist.
Dann habe ich's umsonst oder für die Kollegen geschrieben.
Eigentlich fast ein Eintrag für's Wiki. Also, eigentlich NICHT fast. ;-)
 

Andy

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#11
Da geh ich allerdings den Weg, die Saitenlage so weit herunterzuschrauben, bis es anfängt zu schnarren und dann die Halskrümmung so einzustellen, bis es von der obersten bis zu untersten Lage identisch überall gleich schnarrt. GGf. die Saitenhöhe dann noch mal anpassen, wenn bei der Einstellung der Halskrümmung sich da was ändert. Ist dann aber eher was, wenn man Zeit hat. Muss mal nachmesse, wo ich da lande. --. und zum Ende dann die Saitenlage so hochschrauben, wie es einem "taugt".
 

mrgodin

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#12
Eigentlich fast ein Eintrag für's Wiki. Also, eigentlich NICHT fast. ;-)
Danke!
Ich fürchte allerdings, dass es wahrscheinlich schon so viele Wikis und Abhandlungen zu diesen Themen
gibt, dass ich da nur noch unter "ferner liefen ..." rangiere ;-)
Wer zuletzt kommt, den bestraft das Leben ... oder so ähnlich ?
 

mrgodin

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#13
Da geh ich allerdings den Weg, die Saitenlage so weit herunterzuschrauben, bis es anfängt zu schnarren und dann die Halskrümmung so einzustellen, bis es von der obersten bis zu untersten Lage identisch überall gleich schnarrt. GGf. die Saitenhöhe dann noch mal anpassen, wenn bei der Einstellung der Halskrümmung sich da was ändert. Ist dann aber eher was, wenn man Zeit hat. Muss mal nachmesse, wo ich da lande. --. und zum Ende dann die Saitenlage so hochschrauben, wie es einem "taugt".
? Gute Ohren, die Du hast!
Wie unterscheidest Du das "gleich schnarren" oder weniger "gleich schnarren"?
Du müsstest i.ü. auch dann immer exakt gleich die Saiten anreissen.

Aber Spasss beiseite;
So herum geht es natürlich auch.
Am Ende muss man eben den Punkt finden, wo Krümmung, Bundabrichtung und Saitenlage
ideal zueinander passen.
Ich stelle eigentlich immer erst die Krümmung ein.
Davor kommen aber auch noch die Einstellung der Halsneigung (bei verschraubten Hälsen)
und die Anpassung der Sattelkerben.
Letztere sind in der Mehrzahl der Fälle zu hoch ab Werk.
Richtig in der Höhe gefeilt verringert sich zum einen der erforderliche Kraftaufwand für
den Saitenandruck, zum anderen reduziert man in den ersten Lagen und speziell am 1. Bund
den wirksam werdenden Beugungs- (und somit Streckungs-)koeffizienten.
Gerade bei der G-Saite macht sich das im Falle unnötig hoher Sattelkerben negativ bemerkbar
(überproportional starke Tonhöhenänderung).

Am Schluss kommen erst Intonation und Oktavreinheit, da beides stark abhängig davon ist,
wie Sattel, Hals und Saitenlage eingestellt sind.

Daher kaufe ich mir (bis auf eine Ausnahme) auch max. 2 Gitarren auf einmal.
Da ist man man Einstellarbeiten und Finishing erstmal wieder gut beschäftigt.
 

mrgodin

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#14
...
Aber gerade dazu (Oberfläche der Bünde) hab ich auch schon unterschiedliche Ansichten gehört, in letzter Zeit. Muss ich mal suchen, ob das wieder finde.
Die Physik lässt sich bekanntlich nicht überlisten.
Ich halte mich da am liebsten an die Quellen, die soetwas wissenschaftlich untersuchen.
Das hat dann nicht zwingend immer etwas mit Musizieren und Gitarren zu tun,
aber die physikalischen Grundlagen und Prozesse sind klar definiert und evident.
Geringste Abweichungen in der Position des Auflagepunkts bspw. beeinflussen die
Intonation negativ.
Und egal, wie man die Saite anreisst, treten immer mehrere verschiedene Typen von
Schwingungen gleichzeitig auf.

Der Part "Bundoberfläche" bezog sich aber eh vorrangig auf das Selbstabrichten.
Die geplekten Les Pauls sollten eigentlich korrekte Bundstaboberflächen haben.
Wenn sie nicht gerade völlig heruntergespielt sind ;-)
 

Andy

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#15
Sattelkerben ist auch so ein Thema. Bislang nur bei ESP und bei Solar perfekt gepasst.

Zurück zum eigentlichen Thema, ich hatte einen dicken 11er Satz aufgezogen auf der Flying V. Original war ein 9er drauf. Bin jetzt zurück auf nen 10er. Damit scheint das besser zu klappen. Würde der Aussagen von ganz am Anfang Rechnung tragen, dass das Pleken quasi dann das beste Resultat liefern, wenn man danach auch die Saiten so belässt, wie beim Durchführen der Aktion. 09er auf ner Gibson sind mir allerdings zu dünn :)
 

mrgodin

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#16
Sattelkerben ist auch so ein Thema. Bislang nur bei ESP und bei Solar perfekt gepasst.

Zurück zum eigentlichen Thema, ich hatte einen dicken 11er Satz aufgezogen auf der Flying V. Original war ein 9er drauf. Bin jetzt zurück auf nen 10er. Damit scheint das besser zu klappen. Würde der Aussagen von ganz am Anfang Rechnung tragen, dass das Pleken quasi dann das beste Resultat liefern, wenn man danach auch die Saiten so belässt, wie beim Durchführen der Aktion. 09er auf ner Gibson sind mir allerdings zu dünn :)
Ja;
Die Einstellung einer Gitarre passt natürlich nur immer perfekt (im Idealfall) im Zusammenhang
mit den beteiligten Komponenten.
Und die 009er muss man wegen der kürzeren Mensur zudem noch mit etwas weniger Spannung betreiben.
Das vergrößert dann wiederum die Schwingungsamplitude minimal.
Folge; Die Saitenlage müsste etwas erhöht werden, damit die Saite über den Folgebünden wieder
ausreichend Raum zum Schwingen hat.
Ansonsten steigt das Risiko, dass es scheppert.

Übrigens das mit dem unsauberen Ton bei zu flachen Bundstäben kann man schön erfahren (erhören),
wenn man beim Sattelfeilen nicht darauf achtet, eine Neigung in Richtung Kopfplatte zu feilen.
Auflagepunkt muss ja die Vorderkante des Sattels sein.
Wenn man waagerecht feilt und die Saite komplett aufliegt, scheppert es idR. gut hörbar.

Fällt mir gerade noch ein.
Vielleicht haben die 011er aber auch den Hals etwas stärker gekrümmt?!
Dann bekommt man in den oberen Lagen auch schnell das oben beschriebene Problem.
 

Andy

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#17
Ich hab mir jetzt mal die Bünde der beiden mal näher angesehen. Ich glaub die haben beim Finish ein wenig geschlampt. D.h. die sind zwar von der Höhe perfekt aber die Oberfläche ist nicht perfekt. Sind zwar alle auf Hochglanz poliert aber Riefen von der Bearbeitung sind halt trotzdem Riefen, auch wenn sie glänzen. Das könnte eine Erklärung sein. Da sie glänzen wie ne Speckschwarte fällt das nur nicht so auf. Musst ich jetzt doch tatsächlich mal die Brille abnehmen, sonst seh ich das in der Nähe nicht mehr :)
 

mrgodin

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#18
Ich hab mir jetzt mal die Bünde der beiden mal näher angesehen. Ich glaub die haben beim Finish ein wenig geschlampt. D.h. die sind zwar von der Höhe perfekt aber die Oberfläche ist nicht perfekt. Sind zwar alle auf Hochglanz poliert aber Riefen von der Bearbeitung sind halt trotzdem Riefen, auch wenn sie glänzen. Das könnte eine Erklärung sein. Da sie glänzen wie ne Speckschwarte fällt das nur nicht so auf. Musst ich jetzt doch tatsächlich mal die Brille abnehmen, sonst seh ich das in der Nähe nicht mehr :)
Bin grad beim Wäsche aufhängen.
Aber Brille abnehmen ...
Warum sollet Dir besser geh'n als mir ?
Ich nehme für solche Begutachtungen immer meine Uhrmacherlupen.
Die macht man an einen dünnen Rundbügel; dann kann man die vor's Auge
klemmen und hat die Hände frei und ist beweglich.
Sind zwar eigentlich für meine mechanischen Uhren, aber die haben mir schon
seit Jahren gute Dienste bei Feinarbeiten geleistet.
Sind auch nicht soo teuer.
Musste mal beim Uhrmacherbedarf im Netz gucken.
 

Solyth

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#19
Würde der Aussagen von ganz am Anfang Rechnung tragen, dass das Pleken quasi dann das beste Resultat liefern, wenn man danach auch die Saiten so belässt, wie beim Durchführen der Aktion. :)
Exakt so isses!!!
Wenn pleken, dann mit der Saitenstärke für die Ewigkeit und am besten mit satt dicken Hälsen!:biggrin:
 

mrgodin

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#20
Das Thema Plek ist doch eigentlich einfach eingeordnet.
Industrielles Pleken kann immer nur auf ein Durchschnittsszenario abgestimmt sein.
Also bei Fender o. Gibson vielleicht
010er Saiten
Halskrümmung 0.5 am 8. Bund
Saitenlage E 1.7, e' 1.5
Danach erfolgt die Parametrisierung und Einstellung der Maschine.

Das bedeutet, dass unter genau diesen Ausgangsbedingungen die Bespielbarkeit ideal ist.
Also der Werkszustand bei Lieferung des Instruments.
Wieviel Aufwand (durch den Hersteller) bei der Optimierung der Parameter betrieben wird, weiss man allerdings idR. nicht.

Lasse ich mein Instrument nachträglich Pleken, muss ich mir nach dem Scan und der Analyse
klar werden, welche Spielbedingungen (persönliche Anforderungen an die Bespielbarkeit in
Abhängigkeit der Spielweise) ich zugrunde legen möchte.
Daraus ergibt sich eine Parametrisierung (Bearbeitungvorgabe), die genau EINER festgelegten
Ausstattungs- und Einstellungsstrategie des Instruments entspricht.

Änderungen der Spielweise, Satenstärke, Saitenlage oder was auch immer, "zerstören" zumeist
die optimierte "Plekstruktur" des Instruments und somit die Wirksamkeit des speziellen Plekings.

Andis geplekte Gitarren funktionieren also nur dann optimal, wenn er exakt den Einstellungszustand
beibehält, der bei der Produktion zugrunde gelegt wurde.
Eigenschaften wie dicke oder dünne Hälse o.ä. spielen da eher eine untergeordnete Rolle.
Auch dicke Hälse können sich verdrehen oder verziehen.
Im Gegenteil lässt sich ein dünnerer Hals zBsp. von einem Stahlstab (Trussrod) besser unter Kontrolle
halten, als ein dicker.
Bei einem dickeren Hals sind die kinetischen Kräfte größer, wenn er durch Feuchtigkeit oder
andere ungünstige Einflüsse anfängt zu "arbeiten".

Wen's interessiert, der sollte mal einen Blick auf die Homepage des Plek-Herstellers werfen.
http://www.plek.com/de_DE/home/
Da ist der Vorgang i.ü. genau beschrieben.
 
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